Zeckengefahr häufig unterschätzt


Tiere fast ganzjährig aktiv
Zeckengefahr häufig unterschätzt

Im März beginnt wieder die Zeckenzeit? Das war einmal. Aufgrund des Klimawandels sind die Zecken beinahe ganzjährig aktiv. Welche Orte sie besiedeln und wie man sich gegen Infektionen schützt.

„Wer aus der Haustür tritt, steht im Lebensraum der Zecken“, fasst Prof. Dr. Ute Mackenstedt die Ergebnisse einer laufenden Studie zusammen. Für diese untersuchen die Wisssenschaftler seit 2014 Zecken in 100 Gärten im Großraum Stuttgart. Die untersuchten Haus-, Obst- und Schrebergärten befinden sich sowohl nahe, als auch fern des Waldes, sind naturbelassen oder sehr gepflegt. Zweimal im Monat ziehen die Forscher weiße Stoffbahnen über Rasen und Büsche. Die hängen gebliebenen Zecken werden gesammelt, gezählt und auf Erreger untersucht.

Zecke als ganzjährig aktives Tier

Die Untersuchungen zeigen, dass der Klimawandel mit den vergleichsweise milden Temperaturen in den Wintermonaten sich auf die Aktivität der Zecken auswirkt. Galten bisher die Monate zwischen März/April bis Oktober/November als die hauptsächliche Aktivitätszeit der Zecken, so sind die Tiere nun beinahe ganzjährig aktiv. „In diesem Winter haben wir in unseren Zeckenstationen sogar an den Weihnachtsfeiertagen aktive Zecken gefunden“, berichtet Dr. Olaf Kahl, Geschäftsführer der Berliner Firma tick-radar, die bei der Studie mitgewirkt hat.

In fast der Hälfte der Gärten leben Zecken

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass viele die Zeckengefahr in den eigenen Gärten unterschätzen. Ein naher Wald, Unterholz oder hohes Gras begünstigen das Besiedeln von Zeckenpopulationen, sind jedoch nicht zwingend Voraussetzung. „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere“, berichtet Prof. Mackenstedt.

Ein Grund für die Verbreitung sind Haus-, Wild- und Nagetiere. „Wir haben insgesamt drei verschiedene Arten von Zecken gefunden. Eine davon wird vor allem durch Vögel verbreitet“, erklärt Prof. Mackenstedt. „Man kann einen Garten nicht zeckenfrei halten“, schlussfolgert die Parasitologin. „Einmal eingeschleppt, bilden sie stabile Populationen.“

Zecken übertragen mehr Krankheiten als oft bekannt

Der Stich einer Zecke ist für Menschen an sich ungefährlich. Doch viele Zecken tragen Krankheitserreger in sich, die sie über den Stich in das Blut ihres Wirts übertragen. Die Bandbreite der Krankheiten, die durch die Tiere übertragen werden, sei größer als oft bekannt, warnt Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart. Die Spinnentiere können Viren, Bakterien oder Parasiten auf den Menschen übertragen.
Impfschutz schützt vor FSME

Die wichtigsten Krankheiten, die bisher in Deutschland von Zecken übertragen werden, sind die Frühsommer-Meningo-Enzephalitits (FSME) und die Hirnhautentzündung (Meningitis). Vor dem Hintergrund der geographisch und zeitlich höheren Aktivität der Zecken wird es immer wichtiger, dass man sich vor den Tieren schützt.

Gegen FSME gibt es einen Impfschutz. Die Wissenschaftler raten allen Personen zu einer Impfung, die in einem Gebiet mit starker Zeckenpopulation wohnen oder dort einen Urlaub verbringen. Dies betrifft vor allem Süddeutschland sowie Teile Mitteldeutschlands, Österreich und die Schweiz.

In den letzten Jahren mehrten sich jedoch FSME-Fälle außerhalb bekannter Verbreitungsgebiete, wie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Zusätzlich empfehlen die Experten, sich nach Aufenthalten in der Natur auf Zecken hin zu untersuchen – am besten auch nach Aufenthalten im eigenen Garten.

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