Pflegende von Demenz-Erkrankten


Mit schwierigen Situationen umgehen
Pflegende von Demenz-Erkrankten

Menschen mit Demenz neigen oft zu rätselhaftem Verhalten und bringen ihre Mitmenschen zuweilen an deren Belastungsgrenzen. Wie Pflegende und Angehörige in solchen Situationen am besten reagieren.

Die Zahl an Menschen mit Demenz nimmt in der Altersgruppe ab 70 Jahren immer weiter zu. Bei der neurologischen Erkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Verfall von Nervenzellen, der sich zunächst durch kognitive Defizite bemerkbar macht: Typische Anzeichen sind Probleme beim Merken neuer Informationen oder ein beeinträchtigtes Urteilsvermögen. Vor allem Schwierigkeiten bei der räumlichen und zeitlichen Orientierung führen zu ängstlichem Verhalten der Betroffenen, aber auch teils unangemessene Emotionen wie plötzliche Aggressionen prägen das Stimmungsbild. Dies wirkt sich wiederum auf das Verhalten aus, dass beispielsweise durch mehrfaches Wiederholen von Fragen und Sätzen, Bewegungsdrang oder Inkontinenz gekennzeichnet ist.

Herausforderndes Verhalten als Reaktion auf Umwelt

Minutenlanges monotones Rufen von „Hallo, hallo!“, unvermitteltes Aufstehen und wieder Hinsetzen oder wiederholtes Weglaufen – die krankheitsbedingten Verhaltensänderungen können Pflegende oder Angehörige an ihre Belastungsgrenzen bringen. „Wir sehen dieses Verhalten als eine Mitteilung, die wir erst mal nicht verstehen und mühsam entschlüsseln müssen. Aus Sicht der Menschen mit Demenz sind diese Ausdrucksformen eine Reaktion auf das, was in der Umgebung im Zusammensein mit anderen passiert“, erklärt Dr. Margareta Halek, Juniorprofessorin und Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten/Herdecke.

Wissen zu Persönlichkeit und Vergangenheit geben Hinweise

Zu wissen, was die Menschen mit Demenz zu rätselhaften Handlungen veranlasst, erleichtert oft den Umgang mit diesem herausfordernden Verhalten, erklärt Prof. Halek. Die Betroffenen sind je nach persönlichem Gesundheitszustand jedoch meist nicht mehr in der Lage, ihr Verhalten den Pflegenden und Angehörigen zu erklären. Das Entschlüsseln gleicht deshalb einer Detektivarbeit: Informationen über die Biografie, Psyche und den Gesundheitszustand des Betroffenen können wie Puzzlestücke zum vollständigen Bild des speziellen Verhaltens beitragen und Reaktionsmöglichkeiten eröffnen. Oft müsse sich das Umfeld ändern, um demenzbedingten Einschränkungen zu begegnen. „Nach allem, was wir wissen, ändert sich dann auch das Verhalten des Betroffenen. Aber der Weg ist zugegeben schwierig“, meint Prof. Halek.

Pflegemaßnahmen möglichst an individuellen Vorlieben anpassen

„Bei der Morgenpflege zum Beispiel gibt es ganz oft Krach. Eigentlich nicht verwunderlich. Denn wenn beim Toilettengang, beim Waschen oder beim Zähneputzen stets jemand dabei ist, überschreitet das alle Regeln von Abstand und Intimsphäre“, schildert Prof. Halek eine mögliche Situation. Sie rät dazu, auf Details zu achten: Hat der Mensch früher auch immer geduscht oder wird er lieber mit dem Waschlappen gewaschen? Gibt es Dinge im Bad, die stören? Oder leidet er unter Schmerzen? Das alles können Auslöser für scheinbar unverständliches Verhalten sein.

Menschen mit Demenz nicht an Bewegungsdrang hindern

„Dann gibt es Menschen, die immer wieder in Bewegung sind. Das sind oft Menschen, die früher sehr aktiv und bewegungsfreudig waren. Bewegung ist Teil ihrer Identität. Sie in diesem Drang einzuschränken, könnte ein denkbarer Auslöser für zum Beispiel aggressives Verhalten sein“, gibt die Professorin zu bedenken. Sie rät dazu, die Pflegebedürftigen in solchen Situationen nicht einzuschränken, sondern das Umfeld frei von Unfallrisiken zu gestalten. Falls doch eine Person mit Demenz verloren gehen sollte, ist eine SOS-Kapsel mit Name, Adresse und Telefonnummer für hilfsbereite Fremde nützlich. Auch der Einsatz neuerer Techniken wie GPS-Systeme vermindern die Risiken des Bewegungsdrangs.

Gespräche und Entlastungsangebote wahrnehmen

Doch es ereignen sich immer mal wieder Situationen, für die es trotz Detektivarbeit keine Erklärungen gibt und gegen die Pflegende und Angehörige nur schwer sinnvolle Maßnahmen ergreifen können. Insbesondere in solchen Situationen benötigen sie Unterstützung, um mit der Hilflosigkeit umzugehen. Entlastungsangebote oder Möglichkeiten zu Gesprächen und Reflexionen können ihnen helfen. Für das Bewältigen von akuten Situationen wie bei Aggressionen ist das Beherrschen von Deeskalationstechniken nützlich.

Informationen und Hilfsangebote finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Psychologische Unterstützung finden Pflegende Angehörige auf der Internetseite pflegen-und-leben.de

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