Muttermilch hemmt Hepatitis-Viren


So stark wie ein Desinfektionsmittel
Muttermilch hemmt Hepatitis-Viren

Experten sind sich einig: Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten die beste Nahrung für Säuglinge. Leidet die Mutter jedoch an einer Hepatitis-C-Infektion, raten viele Mediziner zu Muttermilchersatzprodukten, um einer Ansteckung des Säuglings vorzubeugen. Eine Studie deutscher Forscher macht Mut, das Stillen auch Müttern mit einer Hepatitis-C-Infektion zu empfehlen.

Forschung ist sich uneins

Ob Säuglinge sich über die Muttermilch mit Hepatitis-C-Viren (HCV) infizieren können, ist nicht sicher. Wissenschaftliche Studien widersprechen sich zu dem Thema. Viele Mediziner raten Müttern mit einer Hepatitis-C-Infektion vorsichtshalber vom Stillen ab. Gesicherte Risikofaktoren für eine Ansteckung des Säuglings sind eine besonders hohe Virenbelastung der Mutter, starke Blutungen bei der Geburt sowie eine Co-Infektion mit HIV.

Je kühler die Milch, desto stärker die Wirkung

Stephanie Pfänder und Eike Steinmann vom Institut für Experimentelle Virologie am TWINCORE Hannover untersuchten, was mit den Viren in Muttermilch geschieht. Dazu analysierten sie menschliche Muttermilch im Labor. „Um immunologische Nebeneffekte in der Milch auszuschließen, die automatisch entstehen, wenn eine Mutter mit HCV infiziert ist, haben wir die Milch gesunder Frauen verwendet“, berichtet Privatdozent Dr. Eike Steinmann, Leiter der Arbeitsgruppe Virus Transmission. Diese Milch haben die Wissenschaftler dann mit hohen Viruskonzentrationen versetzt. Dabei beobachteten die Forscher, dass die Milch schon nach kurzer Zeit beginnt, die Viren zu inaktivieren. Auf vier Grad gekühlte Milch hatte einen deutlich stärkeren antiviralen Effekt als frische Milch. Kühle Milch wirkte ähnlich effektiv wie ein Desinfektionsmittel mit 80-prozentigem Alkohol.

Hüllenloses Virus schadet nicht mehr

„Wir haben herausgefunden, dass freie Fettsäuren in der Milch für die Inaktivierung des Virus verantwortlich sind“, erklärt Stephanie Pfänder. „Sozusagen die Zersetzungsprodukte der Milchfette, die sich durch die Lagerung bilden. Allerdings erwarten wir den gleichen Effekt auch im Darm des Säuglings durch die Verdauung der Milch.“ Diese freien Fettsäuren lösen die Hülle der Viren auf, ohne den Eiweißmantel des Virus oder sein Erbmaterial zu zerstören. Ohne Hülle ist das Virus nicht mehr in der Lage, sich an Zellen zu binden und diese zu infizieren.

Frühere Studien wiesen bereits nach, dass menschliche Muttermilch auch verschiedene andere Viren inaktiviert, zum Beispiel das Grippe-Virus. Die aktuelle Studie zur Hepatitis C macht Mut, das Stillen Müttern mit einer Hepatitis-C-Infektion möglicherweise zu empfehlen. Die genauen Mechanismen, die hinter der antiviralen Wirkung der Muttermilch stehen, müssen die Virologen des TWINCORE jedoch erst noch genauer untersuchen. Infizierte Mütter sollten deshalb weiterhin den Still-Empfehlungen ihres Arztes folgen.

Beratungsclips

Antibiotikumsaft mit Löffel

Antibiotikumsaft mit Löffel

Dieses Video zeigt Ihnen kurz und verständlich, wie Sie einen Antibiotikumsaft mit einem Dosierlöffel richtig einnehmen. Der Clip ist mit Untertiteln in Russisch, Türkisch, Arabisch, Englisch und Deutsch verfügbar.

Wir bieten Ihnen viele unterschiedliche Beratungsclips zu erklärungsbedürftigen Medikamenten an. Klicken Sie einmal rein!

News

Säureblocker kann Asthma fördern
Säureblocker kann Asthma fördern

Vorsicht bei Atemwegserkrankungen

Säureblocker gelten als gut verträglich. Bei längerfristiger Einnahme drohen allerdings Nebenwirkungen. Insbesondere für Patient*innen mit chronischen Atemwegserkrankungen kann das problematisch werden.   mehr

Mit Optimismus länger leben
Mit Optimismus länger leben

Schützt Herz und Zellen

Für ein gesundes langes Leben sind nicht nur gute Gene verantwortlich. Man kann auch einiges selbst dafür tun - zum Beispiel sich weniger ärgern.   mehr

Zäpfchen richtig anwenden
Zäpfchen richtig anwenden

Alternative zu normalen Tabletten

Nicht nur bei Kindern ist die Anwendung von rektalen Zäpfchen oft sinnvoll. Leiden Erwachsene etwa an starkem Brechdurchfall, bleiben normale Tabletten nicht lang genug im Magen-Darm-Trakt, um zu wirken.   mehr

Gehen lindert Kniegelenksarthrose
Ältere Frau beim Nordic Walking. Gehtraining kann bei Arthrose der Kniegelenke helfen - aber nicht bei jedem.

Nur mit geraden oder O-Beinen

Sportliches Gehen kann die Kniegelenksarthrose aufhalten. Das trifft allerdings nicht auf Menschen zu, die mit X-Beinen durch die Welt laufen.   mehr

Adipositas: Spürbare Folgen bei Kinderwunsch
Adipositas: Spürbare Folgen bei Kinderwunsch

Einfluss nicht unterschätzen

Die meisten Menschen wissen, dass starkes Übergewicht (Adipositas) nicht gesund ist. Weniger bekannt ist aber, dass Adipositas auch die Chancen auf ein Kind verringern und Schwangerschaften komplizierter machen kann.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen
Sonnen-Apotheke
Inhaberin Berrit Kühl
Telefon 04828/91 39
Fax 04828/96 22 87
E-Mail service@sonnen-apotheke-laegerdorf.de